BEYOND THE 38TH

Einblicke hinter den 38. Breitengrad Nordkoreas

Nordkorea begleitet mich, Yasmin, seit über einem Jahrzehnt. Als Soziologin und Anthropologin faszinieren mich gesellschaftliche Strukturen – ihre Mechanismen, ihre Besonderheiten, ihre Widersprüche. In Nordkorea sind sie zugleich faszinierend und erschütternd.

Doch vor allem stehen die 26 Millionen Menschen im Mittelpunkt – Menschen mit Geschichten, die kaum Gehör finden. Jede dieser Geschichten verdient es, erzählt zu werden.

Solange die Menschen in Nordkorea nicht frei sprechen können, möchte ich eine Brücke sein – ein Sprachrohr für ihre Realität sein, einen Beitrag zur Aufklärung leisten und mich für ihre Rechte einsetzen.

  • Foto von Sonder Quest auf Unsplash: Korean War Memorial, Washington D.C., United States of America. 

    Der Korea-Krieg (1950–1953) war einer der bedeutendsten militärischen Konflikte des Kalten Krieges und hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die koreanische Halbinsel sowie die internationale Politik. Er führte zur dauerhaften Teilung Koreas und legte den Grundstein für die bis heute anhaltenden Spannungen zwischen Nord- und Südkorea. In diesem Artikel beleuchten wir die Ursachen, den Verlauf und die langfristigen Folgen des Krieges.

    Hintergrund: Die Teilung Koreas

    Nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg 1945 wurde Korea entlang des 38. Breitengrades in zwei Besatzungszonen aufgeteilt. Der Norden wurde von der Sowjetunion kontrolliert, während der Süden unter US-amerikanischer Verwaltung stand. Aus dieser Teilung entwickelten sich zwei ideologisch gegensätzliche Staaten:

    • Nordkorea (Demokratische Volksrepublik Korea, DVRK) unter Kim Il-sung, unterstützt von der Sowjetunion und China.
    • Südkorea (Republik Korea) unter Rhee Syngman, mit Unterstützung der USA und westlicher Staaten.

    Beide Regierungen erhoben den Anspruch, die gesamte koreanische Halbinsel zu regieren, was zu zunehmenden Spannungen führte.

    Ausbruch des Krieges (Juni 1950)

    Am 25. Juni 1950 überschritten nordkoreanische Truppen unter Kim Il-sung die Grenze zum Süden in einer groß angelegten Invasion. Innerhalb weniger Wochen eroberte Nordkorea fast die gesamte koreanische Halbinsel, einschließlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Die Vereinten Nationen (UN) reagierten schnell und stellten eine internationale Koalition unter US-amerikanischer Führung auf, um Südkorea zu verteidigen.

    Der Kriegsverlauf

    Phase 1: Nordkoreanische Offensive (Juni – September 1950)

    Nordkoreanische Truppen rückten rasch nach Süden vor und drängten die südkoreanischen und US-Truppen bis zur Stadt Busan zurück. Dort wurde eine Verteidigungslinie errichtet, die als „Busan-Perimeter“ bekannt wurde.

    Phase 2: Gegenoffensive der UN (September – November 1950)

    Unter General Douglas MacArthur landeten UN-Truppen am 15. September 1950 in Incheon und zwangen die nordkoreanische Armee zum Rückzug. Südkoreanische und UN-Truppen überschritten den 38. Breitengrad und rückten tief in nordkoreanisches Territorium vor, bis nahe an die chinesische Grenze.

    Phase 3: Chinesischer Eingriff (November 1950 – Januar 1951)

    China griff mit Hunderttausenden „Freiwilligen“ in den Krieg ein und drängte die UN-Truppen zurück. Seoul wurde erneut von den Kommunisten eingenommen. Dies führte zu schweren Kämpfen mit hohen Verlusten auf beiden Seiten.

    Phase 4: Stellungskrieg (1951–1953)

    Ab 1951 stabilisierte sich die Front entlang des 38. Breitengrades. Beide Seiten führten erbitterte Gefechte, darunter die blutigen Schlachten von Heartbreak Ridge und Pork Chop Hill. Gleichzeitig begannen Friedensverhandlungen, die sich über zwei Jahre hinzogen.

    Der Waffenstillstand und seine Folgen

    Am 27. Juli 1953 wurde das Waffenstillstandsabkommen von Panmunjom unterzeichnet. Es beendete die Kämpfe, jedoch ohne einen Friedensvertrag. Die wichtigsten Ergebnisse waren:

    • Die Demilitarisierte Zone (DMZ) wurde entlang des 38. Breitengrades eingerichtet und bleibt bis heute eine der am schwersten bewachten Grenzen der Welt.
    • Die Fortsetzung der Teilung Koreas mit zwei gegensätzlichen politischen Systemen.
    • Millionen von Toten und Vertriebenen, wobei die meisten Opfer Zivilisten waren.

    Langfristige Auswirkungen des Koreakriegs

    1. Fortgesetzte Spannungen: Nordkorea und Südkorea befinden sich technisch gesehen immer noch im Krieg, da nie ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde.
    2. Militarisierung der Region: Südkorea entwickelte sich zu einem wichtigen Partner der USA, während Nordkorea seinen Fokus auf das Militär und ein Nuklearprogramm legte.
    3. Wirtschaftliche Unterschiede: Südkorea erlebte ein beispielloses Wirtschaftswachstum, während Nordkorea zunehmend isoliert und wirtschaftlich rückständig blieb.

    Fazit

    Der Koreakrieg war ein Schlüsselmoment in der Geschichte des Kalten Krieges und beeinflusst die geopolitische Lage bis heute. Die anhaltende Teilung Koreas ist ein direkter Nachhall dieses Konflikts, und die Spannungen zwischen Nord- und Südkorea zeigen, dass der Krieg nie wirklich beendet wurde.

  • Seit seiner Gründung im Jahr 1948 hat Nordkorea eine bewegte Geschichte durchlebt, die von politischer Isolation, militärischen Spannungen und wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt ist. Die Entwicklung des Landes lässt sich in mehrere wichtige Phasen unterteilen, die das heutige Nordkorea geformt haben.

    1. Die Gründung und der Koreakrieg (1948 – 1953)

    Am 9. September 1948 wurde die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) unter der Führung von Kim Il-sung gegründet. Die koreanische Halbinsel war nach dem Zweiten Weltkrieg entlang des 38. Breitengrades zwischen der Sowjetunion (im Norden) und den USA (im Süden) geteilt worden.

    1950 begann Kim Il-sung mit Unterstützung der Sowjetunion und Chinas den Koreakrieg, indem er Südkorea angriff. Der Krieg dauerte drei Jahre und endete 1953 mit einem Waffenstillstand, der die Teilung Koreas zementierte, jedoch nie in einem Friedensvertrag mündete. Bis heute befinden sich Nord- und Südkorea offiziell im Kriegszustand.

    2. Die Konsolidierung der Macht und das Juche-System (1953 – 1970er Jahre)

    Nach dem Koreakrieg festigte Kim Il-sung seine Macht und führte die Juche-Ideologie ein, eine Philosophie der wirtschaftlichen und politischen Selbstständigkeit. Er baute eine totalitäre Diktatur auf, stärkte den Personenkult um sich selbst und eliminierte politische Gegner.

    Wirtschaftlich setzte Nordkorea auf eine zentral gesteuerte Planwirtschaft und Industrialisierung, was zunächst zu einem Aufschwung führte. Internationale Isolation und Misswirtschaft begannen jedoch schon in den 1970er-Jahren erste wirtschaftliche Probleme hervorzurufen.

    3. Die wirtschaftliche Krise und Hungersnot (1980er – 1990er Jahre)

    Mit dem Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre verlor Nordkorea einen wichtigen Handelspartner und Unterstützer. Das Land geriet in eine tiefe wirtschaftliche Krise, die durch Naturkatastrophen und Missmanagement verschärft wurde. Mitte der 1990er-Jahre kam es zur „Arduous March“ (Mühsamer Marsch)-Hungersnot, die schätzungsweise Hunderttausende bis Millionen Menschen das Leben kostete.

    Kim Jong-il übernahm nach dem Tod seines Vaters Kim Il-sung im Jahr 1994 die Führung. Er konzentrierte sich zunehmend auf die militärische Stärke des Landes und führte die „Songun“-Politik (Militär zuerst) ein, wodurch die Armee Vorrang vor allen anderen Bereichen der Gesellschaft erhielt.

    4. Die Entwicklung des Atomprogramms und zunehmende Isolation (2000er Jahre)

    Unter Kim Jong-il intensivierte Nordkorea sein Atomprogramm, was zu internationalen Spannungen und Sanktionen führte. 2006 führte das Land seinen ersten erfolgreichen Atomtest durch. Nordkorea blieb international weitgehend isoliert, während die Bevölkerung unter harter Repression und wirtschaftlicher Not litt.

    5. Kim Jong-un und die heutige Ära (2011 – heute)

    Nach dem Tod von Kim Jong-il im Jahr 2011 übernahm sein Sohn Kim Jong-un die Macht. Er festigte seine Herrschaft durch die brutale Beseitigung von Rivalen, einschließlich seines eigenen Onkels und Halbbruders.

    In den letzten Jahren hat Nordkorea seine Atomwaffenprogramme weiter ausgebaut und mehrmals Langstreckenraketen getestet, was internationale Spannungen verschärfte. Gleichzeitig hat Kim Jong-un punktuell wirtschaftliche und technologische Modernisierungen angestoßen, ohne jedoch grundlegende Reformen durchzuführen.

  • Seit der Gründung Nordkoreas 1948 hat eine Familie das Land unangefochten regiert: die Kim-Dynastie. Geprägt von totalitärer Herrschaft, Personenkult und internationaler Isolation, erstreckt sich ihre Macht mittlerweile über drei Generationen – von Kim Il-sung über seinen Sohn Kim Jong-il bis zu dessen Nachfolger und aktuellem Machthaber Kim Jong-un. Doch wie hat sich die Herrschaft dieser Familie über die Jahrzehnte entwickelt, und welche Auswirkungen hatte sie auf das Land?

    Kim Il-sung – Der „Ewige Präsident“ (1948–1994)

    Kim Il-sung war der Begründer Nordkoreas und prägte das Land maßgeblich. Nach seiner Rückkehr aus dem sowjetischen Exil wurde er von der Sowjetunion als Führer eingesetzt. 1948 rief er die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) aus und formte einen totalitären Staat nach stalinistischem Vorbild. Seine Herrschaft war durch einen extremen Personenkult geprägt, der ihn als unfehlbaren „Großen Führer“ glorifizierte.

    Unter Kim Il-sung wurde die Ideologie der Juche (Selbstversorgung und Unabhängigkeit) zur Staatsdoktrin, wodurch Nordkorea zunehmend isoliert wurde. Er führte das Land durch den Koreakrieg (1950–1953) und etablierte ein repressives politisches System mit Konzentrationslagern für Regimekritiker. Trotz wirtschaftlicher Rückschläge blieb seine Macht unangefochten, bis er 1994 starb – offiziell bleibt er jedoch bis heute „Ewiger Präsident“ Nordkoreas.

    Kim Jong-il – Der „Geliebte Führer“ (1994–2011)

    Kim Jong-il übernahm nach dem Tod seines Vaters die Macht und führte dessen Politik fort. Er war bereits seit den 1980er-Jahren als inoffizieller Nachfolger aufgebaut worden, was den ersten dynastischen Machtwechsel in einem sozialistischen Staat markierte. Während seiner Herrschaft wurde Nordkorea noch isolierter und erlebte eine schwere Hungersnot in den 1990er-Jahren, die Millionen Menschen das Leben kostete.

    Er forcierte die „Songun“-Politik, die die Armee über alle anderen Staatsorgane stellte. Gleichzeitig begann Nordkorea unter seiner Führung mit der Entwicklung von Atomwaffen, was zu internationalen Sanktionen führte. Trotz wirtschaftlicher Probleme sicherte er seine Macht durch brutale Unterdrückung und Propaganda. Sein Tod im Jahr 2011 führte zum nächsten dynastischen Übergang – diesmal zu seinem jüngsten Sohn, Kim Jong-un.

    Kim Jong-un – Der „Oberste Führer“ (seit 2011)

    Kim Jong-un trat nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft an und war zunächst eine weitgehend unbekannte Figur. Schnell festigte er seine Macht durch eine brutale Konsolidierung, die die Beseitigung potenzieller Rivalen innerhalb der Regierung und der eigenen Familie einschloss.

    Seine Regierungszeit ist geprägt von einer aggressiven Außenpolitik, insbesondere durch den Ausbau des nordkoreanischen Atomprogramms. Gleichzeitig modernisierte er das Land in begrenztem Maße, indem er technologische Innovationen und begrenzte wirtschaftliche Reformen zuließ. Dennoch bleibt Nordkorea weiterhin eines der repressivsten Länder der Welt, mit massiven Menschenrechtsverletzungen und wirtschaftlicher Isolation.

  • Foto von Micha Brändli auf Unsplash

    Die Demokratische Volksrepublik Korea, besser bekannt als Nordkorea, wurde am 9. September 1948 gegründet. Die Teilung der koreanischen Halbinsel war das Ergebnis globaler geopolitischer Spannungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg eskalierten. Doch um die Gründung Nordkoreas wirklich zu verstehen, muss man weiter in die Geschichte zurückgehen.

    Die Zeit der japanischen Kolonialherrschaft (1910-1945)

    Korea war bis 1910 ein unabhängiges Königreich, wurde aber von Japan annektiert und für 35 Jahre als Kolonie ausgebeutet. Die japanische Herrschaft war von harter Repression, wirtschaftlicher Ausbeutung und kultureller Unterdrückung geprägt. Korea wurde zwangsweise modernisiert, jedoch ausschließlich zugunsten der japanischen Wirtschaft. Viele Koreaner*innen wurden in Zwangsarbeit geschickt oder zur Prostitution gezwungen (die sogenannten „Trostfrauen“). Gleichzeitig bildeten sich verschiedene Widerstandsbewegungen, die sowohl im Inland als auch im Ausland operierten. Besonders in China formierten sich Guerilla-Gruppen, darunter auch jene von Kim Il-sung, dem späteren Gründer Nordkoreas.

    Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Teilung Koreas (1945)

    Nach Japans Kapitulation im August 1945 besetzten sowjetische Truppen den Norden der koreanischen Halbinsel, während die USA den Süden besetzten. Ursprünglich war dies als temporäre Lösung gedacht, doch die Spannungen zwischen der Sowjetunion und den USA wuchsen rapide. Der 38. Breitengrad wurde als provisorische Demarkationslinie festgelegt, die bald zur de facto Grenze zwischen zwei ideologisch verfeindeten Regimen wurde.

    Der Kalte Krieg und die Entstehung zweier Staaten (1946-1948)

    Die Sowjetunion etablierte im Norden eine kommunistische Verwaltung, die von Kim Il-sung geführt wurde. Kim, der zuvor in der Roten Armee gedient hatte, wurde als führender Kopf der nordkoreanischen Arbeiterpartei installiert. Währenddessen wurde im Süden unter US-Einfluss Rhee Syngman als Präsident eingesetzt.

    1948 wurde der Versuch einer Wiedervereinigung durch die UNO untergraben, als sowohl im Norden als auch im Süden separate Regierungen gegründet wurden. Am 15. August 1948 rief Rhee Syngman die Republik Korea (Südkorea) aus, woraufhin am 9. September 1948 im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea unter Kim Il-sung proklamiert wurde. Damit war die Teilung Koreas offiziell besiegelt.

    Fazit: Eine geteilte Halbinsel als Folge geopolitischer Konflikte

    Die Gründung Nordkoreas war nicht nur das Ergebnis des Zweiten Weltkriegs, sondern auch das Resultat jahrzehntelanger kolonialer Unterdrückung und eines aufkeimenden Kalten Krieges. Die ideologische Kluft zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion spielte eine entscheidende Rolle bei der dauerhaften Teilung der koreanischen Halbinsel. Bis heute bleibt Nordkorea eines der isoliertesten und politisch umstrittensten Länder der Welt, geprägt durch die Nachwirkungen seiner turbulenten Entstehungsgeschichte.

  • Foto von Thomas Evans auf Unsplash

    Nordkorea, offiziell die Demokratische Volksrepublik Korea, gilt als das isolierteste Land der Welt. Fast jede*r hat den Namen schon einmal gehört – doch nur wenige wissen wirklich etwas über diese Nation.

    Dabei geht es um weit mehr als Atomwaffen und Raketenstarts. Nordkorea ist Heimat von 26 Millionen Menschen – Menschen mit Geschichten, die es wert sind, erzählt und gehört zu werden. Da ihre eigene Stimme meist unterdrückt wird, sollen sie hier einen Raum finden.

    Ein Blick hinter die Grenze, hinter den 38. Breitengrad – dorthin, wo sich eine verborgene Welt offenbart.